In der Ispringer Festhalle kamen Jubilarinnen und Jubilare, ihre Begleitungen sowie zahlreiche Gäste zusammen, um gemeinsam auf viele Jahrzehnte gewerkschaftlicher Geschichte zurückzublicken.
Geehrt wurden Mitglieder für 40, 50, 60 und sogar 70 Jahre Mitgliedschaft in der IG Metall. Für die musikalische Umrahmung des Abends sorgten die„Lollipops“, während das Team der Amalienstube die Gäste mit einem hervorragenden Essen verwöhnte. Die Veranstaltung bot damit einen würdigen Rahmen, um diejenigen in den Mittelpunkt zu stellen, die die IG Metall über viele Jahrzehnte hinweg getragen und geprägt haben.
Die Menschen machen die IG Metall aus
Im Mittelpunkt des Abends standen die Jubilare selbst. In ihrer Festrede stellte die ehemalige Erste Bevollmächtigte der IG Metall Gaggenau, Claudia Peter, die Bedeutung der Mitglieder für die Gewerkschaft heraus. Ihre zentrale Botschaft: Die IG Metall lebt von den Menschen, die sich gemeinsam für eine bessere Arbeits- und Lebenswelt einsetzen. Jede und jeder Einzelne habe dazu beigetragen, die Organisation stark zu machen und Arbeitnehmerrechte zu verbessern.
In einer eindrucksvollen Zeitreise nahm sie die Gäste mit in die Eintrittsjahre der Jubilare und erinnerte an die politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Herausforderungen der vergangenen Jahrzehnte. Ob die Aufbaujahre nach dem Krieg, die Auseinandersetzungen um Arbeitszeitverkürzungen, die Krisen der Uhren- und Schmuckindustrie, die Einführung der 35-Stunden-Woche oder tiefgreifende Strukturwandel in der Region: Jede Generation habe ihre eigenen Herausforderungen bewältigen müssen.
Dabei machte Claudia Peter deutlich, dass viele Errungenschaften, die heute selbstverständlich erscheinen, keineswegs selbstverständlich entstanden sind. Die 40-Stunden-Woche, die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, mehr Mitbestimmung, Urlaubsgeld oder später die 35-Stunden-Woche seien Ergebnisse gemeinsamer gewerkschaftlicher Kämpfe. Viele der Geehrten hätten diese Entwicklungen nicht nur erlebt, sondern selbst mitgestaltet. Dafür gebühre ihnen großer Respekt und besondere Anerkennung.
Besonders hob sie hervor, dass die heutigen Generationen auf dem aufbauen können, was andere über Jahrzehnte hinweg geschaffen haben. Die Jubilarinnen und Jubilare seien deshalb nicht nur Zeugen gewerkschaftlicher Geschichte, sondern selbst ein bedeutender Teil dieser Geschichte. Mit ihrer Mitgliedschaft, ihrer Unterstützung und ihrem Engagement hätten sie dazu beigetragen, Arbeits- und Lebensbedingungen für Millionen Beschäftigte zu verbessern.
Zum Abschluss schlug Claudia Peter den Bogen in die Gegenwart. Die Herausforderungen hätten sich verändert, die zentralen Fragen seien jedoch bis heute dieselben geblieben: gute Arbeit, soziale Sicherheit, eine gerechte Alterssicherung, ein funktionierendes Gesundheitssystem und faire Arbeitsbedingungen für kommende Generationen. Gerade deshalb brauche es auch heute Menschen, die sich gemeinsam organisieren und Verantwortung übernehmen.
Rückgrat der Gewerkschaft
Der Erste Bevollmächtigte der IG Metall Pforzheim, Tom Wolters, bezeichnete die Jubilarinnen und Jubilare als das „Rückgrat unserer Gewerkschaft“. Ihre jahrzehntelange Treue und ihr Engagement seien Ausdruck einer tiefen Verbundenheit mit den Werten von Solidarität, Gerechtigkeit und Mitbestimmung. Viele der Anwesenden hätten historische Auseinandersetzungen selbst erlebt und mitgetragen. Die Erfolge der Gewerkschaft seien deshalb auch ihre Erfolge.
Gleichzeitig sprach Wolters die aktuellen Herausforderungen an. Die Jubilarfeier finde in einer Zeit statt, in der viele Menschen mit großer Unsicherheit auf ihre Arbeit, ihr Leben und ihre Zukunft blickten. Krieg in Europa, wirtschaftliche Unsicherheiten, die Transformation der Industrie und gesellschaftliche Spannungen stellten den Zusammenhalt auf die Probe. Allein in Pforzheim und im Enzkreis seien innerhalb eines Jahres rund 3.500 Industriearbeitsplätze verloren gegangen. Hinter diesen Zahlen stünden Menschen, Familien und persönliche Lebensgeschichten.
Für die IG Metall sei deshalb klar, dass jetzt Investitionen in Standorte, Zukunftsprodukte und Qualifizierung notwendig seien. Ebenso brauche es bezahlbare Energie und eine aktive Industriepolitik. Unternehmen, die öffentliche Förderungen erhalten, müssten sich gleichzeitig zu Beschäftigungssicherung, Tarifbindung und Wertschöpfung in der Region bekennen. Steuergeld dürfe nicht dafür verwendet werden, Arbeitsplätze abzubauen oder Produktionen zu verlagern.
Zugleich machte Wolters deutlich, dass die Herausforderungen nicht nur wirtschaftlicher Natur seien. Auch bei Rente, Gesundheit, Pflege und sozialer Sicherheit dürften die Lasten der Krise nicht auf Beschäftigte, Rentnerinnen und Rentner abgewälzt werden. Wer den Sozialstaat schwäche, erhöhe die Unsicherheit in der Gesellschaft.
Die Erfahrungen der Jubilare seien deshalb aktueller denn je. Fortschritt entstehe nicht von allein, sondern durch Menschen, die Verantwortung übernehmen, sich organisieren und gemeinsam handeln. Genau diese Erfahrung müsse an die nächste Generation weitergegeben werden. Gute Arbeitsbedingungen, faire Löhne und Mitbestimmung seien keine Selbstverständlichkeit, sondern müssten immer wieder neu verteidigt und weiterentwickelt werden.
Zukunft gestalten statt Beschäftigte zahlen lassen
Auch die Zweite Bevollmächtigte der IG Metall Pforzheim, Martina Walter, griff die aktuellen Herausforderungen auf. Sie machte deutlich, dass die Beschäftigten nicht diejenigen sein dürfen, die am Ende die Rechnung für wirtschaftliche Krisen und die Transformation der Industrie bezahlen.
Viele Unternehmen stünden unter erheblichem Druck. Transformation dürfe jedoch nicht bedeuten, Standorte zu schließen, Produktionen zu verlagern oder Arbeitsplätze abzubauen. Stattdessen brauche es Investitionen in neue Produkte und Technologien, Qualifizierung und verlässliche Zukunftsperspektiven für die Beschäftigten.
Mit Blick auf die bevorstehende Tarifrunde betonte Walter, dass gute Tarifverträge nicht allein am Verhandlungstisch entstehen.
„Diese Tarifrunde findet nicht nur am Verhandlungstisch statt. Sie findet auch in den Betrieben und auf der Straße statt.“
Die Forderungen der IG Metall gingen dabei weit über reine Entgeltfragen hinaus. Neben einer fairen Einkommenserhöhung gehe es um die Sicherung von Arbeitsplätzen und Standorten, die Stärkung unterer Entgeltgruppen sowie um eine angemessene Beteiligung der Beschäftigten am wirtschaftlichen Erfolg ihrer Unternehmen.
Gerade weil die Situation in den Betrieben sehr unterschiedlich sei, brauche es differenzierte Antworten. Während manche Unternehmen mit Kurzarbeit, Personalabbau oder Verlagerungsplänen zu kämpfen hätten, gebe es gleichzeitig Betriebe und Branchen, die wirtschaftlich erfolgreich seien. Eines könne jedoch keine Antwort auf die aktuellen Herausforderungen sein: ein pauschaler Verzicht der Beschäftigten.
Walter machte deutlich, worauf es jetzt ankomme: Sicherheit beim Einkommen, Sicherheit beim Arbeitsplatz und Sicherheit darüber, dass industrielle Arbeit auch morgen noch eine Zukunft in der Region hat.
Dabei schlug sie den Bogen zu den Jubilarinnen und Jubilaren des Abends. Die Solidarität und der Zusammenhalt, für die sie seit Jahrzehnten stehen, seien auch heute die Grundlage gewerkschaftlicher Stärke. Die Geschichte der IG Metall zeige eindrucksvoll, dass eine gute Forderung allein nicht ausreiche. Verbesserungen würden immer dann erreicht, wenn Beschäftigte gemeinsam hinter ihren Forderungen stehen und bereit sind, sich für diese einzusetzen.
Dank für außergewöhnliche Treue
Der Abend machte eindrucksvoll sichtbar, was die IG Metall seit jeher auszeichnet: Menschen, die Verantwortung übernehmen, füreinander einstehen und gemeinsam für bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen kämpfen.
40, 50, 60 und 70 Jahre Mitgliedschaft stehen für ein außergewöhnliches Maß an Verbundenheit, Solidarität und Engagement. Die geehrten Kolleginnen und Kollegen haben über Jahrzehnte hinweg dazu beigetragen, Arbeitnehmerrechte zu stärken und bessere Bedingungen für Generationen von Beschäftigten zu erkämpfen.
Die IG Metall Pforzheim bedankt sich herzlich bei allen Jubilarinnen und Jubilaren für ihre langjährige Treue, ihr Vertrauen und ihren Beitrag zu einer starken Gewerkschaft.
Denn Gewerkschaft lebt von Menschen, die zusammenhalten. Genau dafür stehen unsere Jubilarinnen und Jubilare.